Ella - wisst Ihr eigentlich, was Ihr tut?

Heute leihen wir Ella unsere Stimme. Bisher hat kaum jemand Ellas Leid gesehen. Die Angst. Ihre Schmerzen. Ella ist eine Vermehrerhündin. Eine von vielen. Gehalten in dunklen dreckigen Verschlägen. Ohne Respekt behandelt, nur dazu da um Geld einzubringen, das man mit dem Verkauf ihrer Welpen verdient.

Ellas Blick sagt mehr als tausend Worte es ausdrücken könnten. Aus ihren verzweifelten, hoffnungslosen und doch so sanften Augen schreit es dem Betrachter geradezu entgegen: Was wurde mir angetan? Womit habe ich es verdient jahrelang misshandelt zu werden? Meinem Peiniger ausgeliefert, meinen Kindern beraubt? 

Die Antwort scheint so einfach: Du hast es nicht verdient, liebe Ella! Und du bist erst recht nicht schuld an deiner Situation! Schuld sind die Menschen, die vor der grausamen Realität ihre Augen verschließen und in Hinterhöfen, aus Kofferräumen oder Pferdeboxen kleine niedliche Welpen zum Schnäppchenpreis erwerben. Welpen, die viel zu jung und in den meisten Fällen krank ihren Müttern entzogen werden. Welpen, deren Eltern auf kaltem Beton hinter Gittern kaum Tageslicht sehen, die nicht wissen, wie sich Gras oder der Wind auf der Haut anfühlen. Eltern, deren Seelen und Körper gebrochen werden, denen man jede Würde nimmt. Ellas Blick macht eben auch wütend. Er beschämt. Er wirft Fragen auf.

Menschen, die sich im Tierschutz engagieren, sehen zu oft solche Augen: Hunde, die bei Vermehrern vor sich hinvegetieren. Hunde, die von ihrem Besitzer vernachlässigt an der Kette gehalten werden. Hunde, die auf der Straße leben und tagtäglich vom Tod bedroht sind. Hunde, die jetzt in liebevollen Familien sein dürfen, aber denen man ihr früheres Schicksal immer anmerken wird.

Ella durfte heute, nach über drei Jahren in der Hölle, ihren Weg zu BSiN antreten. Seit Monaten wurde sie erwartet doch es war bis vor Kurzem völlig unklar, ob sie in die Freiheit entlassen werden würde. Der Vermehrer hoffte bis zuletzt, dass Ella (wieder gewaltsam gedeckt) doch noch einmal trächtig sein könnte. Anscheinend ist dies nicht eingetreten und Ella durfte gehen…

Ella ist in einem sehr schlechten Zustand. Sie ist eine überaus ängstliche Hündin, die sich heute mit der BSiN Fahrkette auf dem Weg in ihre Pflegestelle befindet. Und sie ist krank – seit Tagen mag sie nicht mehr fressen. Wie schlimm ihr körperlicher Zustand wirklich ist werden die nächsten Tage zeigen. Ob Ellas Weg in die Freiheit führt oder wir nur ihr Leiden beenden können?

Noch einmal leihen wir Ella unsere Stimme: Wisst ihr eigentlich, was ihr tut, wenn ihr euch freudestrahlend billig einen Hundewelpen ins Haus holt? Schaut in Ellas Augen, haltet ihrem Blick stand und beantwortet diese Frage!

20. Mai 2017

Ella kam im Laufe des Tages in ihrer BSiN Pflegestelle an. Zerbrochen an Körper und Seele. Mit allem Optimismus, der unseren Pflegestellen möglich ist, sollte ihr ein warmer ruhiger Ankunftstag bereitet werden. Schnell war Ellas Pflegefrauchen jedoch klar, dass Ella dringend ärztliche Hilfe benötigt.

Ella wurde sofort in eine Tierklinik gebracht und stationär aufgenommen. Bisher wurde eine Bauchspeicheldrüsenentzündung diagnostiziert. Eine sofort eingeleitete Behandlung erfolgt gerade. Welche körperlichen Baustellen die arme Maus sonst noch hat wird sich in der nächsten Zeit zeigen.

Bitte schickt Ella alle Schutzengel, die ihr entbehren könnt. Ihr Leben soll schön und bunt werden – ihrem traurigen Schicksal muss doch etwas entgegen zu setzen sein!

Stille Tränen – Ella muss sich entscheiden

Leider gehört es zum BSiN Alltag, traumatisierte Hunde aus unwürdigen Bedingungen aufzunehmen und sie bestmöglich an Körper und Seele in den Pflegestellen gesunden zu lassen. In vielen Fällen gelingt dies mit Einfühlungsvermögen und Geduld, nichts erwarten, nichts verlangen. Der Hund gibt Tempo und Richtung vor. Oft dauert dieser Prozess eine lange Zeit und umso mehr ist es ein Glück, den betreffenden Hund dann weitestgehend entspannt und zufrieden zu sehen.

Es gibt aber auch Hunde bei denen man von Anfang an spürt, dass die Wunden der Seele so tief sind, dass man nicht weiß, wie und ob sie jemals heilen können.

Ella wurde gestern aus der Tierklinik unter strengen Auflagen und mit etlichen Medikamenten entlassen. Die Atmosphäre in der Klinik war derart belastend, dass sich das Ärzteteam zum Wohle Ellas entschieden hat, sie in die Ruhe der Pflegestelle zurück zu geben. Ella hat auch in der Klinik jede Nahrungsaufnahme und Trinken verweigert. Durch Infusionen konnte dies aber vorerst abgefangen werden. Nun ist es erneut an der Pflegestelle, Ella genau zu beobachten, ihr die nötigen Medikamente zu geben und sie dazu zu bewegen, etwas zu sich zu nehmen!

Neben dieser Aufgabe steht aber noch etwas ganz Anderes im Vordergrund: Ellas seelische Wunden sind derart stark, dass selbst die erfahrenen BSiNler davor erschrecken. „Unendlich leere Augen. Sie scheint mit ihrem Leben abgeschlossen zu haben.“ So war es heute in Ellas Tagebuch zu lesen. Abgeschlossen mit dem Leben mit gerade einmal drei Jahren! Als Folge von reiner Profitgier einerseits und der Möglichkeit andererseits, beim Hundekauf ordentlich zu sparen! Ein Hoch auf Vermehrer und deren Kunden – wenn es euch nicht gäbe, dann wären viele Tierschützer ohne sinnvolle Aufgabe! Ja, dieser bitterböse Sarkasmus ist beabsichtigt. Wie sonst soll man Ellas Leid und das der anderen Vermehrerhunde aushalten, wenn Wut, Entsetzen und Abscheu sich ihren Weg suchen? Manchmal sind es auch nur stille Tränen, die geweint werden, weil man nicht versteht, wie ein Lebewesen so grausam einem anderen Lebewesen gegenüber sein kann.

Ella hilft das aber alles nichts. Sie ist gefangen in den schlimmen Erfahrungen und Erinnerungen. Ihre Freiheit kann sie als solche gar nicht begreifen. Sicherheit, Geborgenheit, Liebe. Fürsorge, Wärme und Vertrauen. Ob Ella diese Erfahrungen zulassen kann? Ella muss sich entscheiden…und wir können nur hoffen.

Ella hat sich entschieden

Vor mehr als einer Woche bezog Ella ihr Pflegekörbchen bei BSiN. Geschunden an Körper und Seele, einfach kaputt. Das Ergebnis skrupelloser Geschäftemacherei mit der „Ware Hund“. Allen voran ihre erfahrene Pflegestelle war geschockt wie traumatisiert Ella den Vermehrerstall verlassen hatte. Dann die nächste böse Überraschung: Ella musste noch am Einzugstag in die Tierklinik gebracht werden. Bauchspeicheldrüsenentzündung, sie fraß und trank seit Tagen nicht mehr.

Die gesundheitlichen Probleme bekam die Klinik in den Griff, nicht aber die Angst der misshandelten Hündin. Ella durfte (musste) zurück in die Pflegestelle, um sich nicht weiter aufzugeben. Mit viel Geduld und ein paar Tricks ließ sich die liebe Maus zum Fressen animieren – endlich! Inzwischen hat Ella ein ganz normales Trink- und Fressverhalten, eine Kontrolluntersuchung ergab zudem, dass sich die Bauchspeicheldrüsenwerte normalisiert haben! Was für eine Entwicklung in dieser kurzen Zeit!

Ellas Seele hingegen erholt sich langsam, auf ihre eigene Weise. Die anderen Artgenossen in der Pflegefamilie sind, wie oft bei ängstlichen Hunden, eine unbezahlbare Hilfe und Stütze. Im Rudelverband fühlt sich Ella sicher. Sie kann sich hier fallen lassen, fühlt sich beschützt. Menschen sind ihr nach wie vor nicht geheuer. Zu tief sitzen die Wunden, die ihr beigebracht wurden. Skepsis, Misstrauen und Angst lassen noch keine wirkliche Annährung zu. Die Erfahrung der BSiN Pflegestellen zeigt, dass es in solch einem Fall nur gelingt, den Hund für sich zu gewinnen, indem man nichts erwartet oder verlangt. Was Ella von sich aus möglich ist, wird mit Freude wahrgenommen (und wenn es ein neuer Schlafplatz ist). Alles andere kann und muss warten.

Eins ist aber sicher: Ella hat sich entschieden. Sie will endlich leben! An dieser Stelle sei all denjenigen gedankt, die mit guten Gedanken oder der Übernahme einer Patenschaft  dazu beigetragen haben, dass Ella Kraft geschenkt wird und sie gesunden kann. Auch die Gedanken und Kommentare zum Thema „Vermehrerhunde“  in unserem BSiN-Blog haben einen Beitrag dazu geleistet, Tierschutzarbeit zu praktizieren und dieses Thema weiter öffentlich zu machen. Danke!